Zeitzeugengespräch in der St. Katharinenkirche

08. Mai 2019. Heute vor 74 Jahren wurde der 2. Weltkrieg beendet, wo mehr als 60 Millionen Opfer ums Leben kamen. Das führte das S2-Religionsprofil in die St. Katharinenkirche, wo ein Zeitzeugengespräch stattfand. Vor Ort saßen fast 500 Schüler aus 15 Hamburger Schulen, welche Herr Ivar Buterfas-Frankenthal, der die Zeit noch erlebt hatte, begrüßte. Seine langjährige Ehefrau Dagmar Buterfas-Frankenthal hatte er zur Unterstützung dabei. Der Zeitzeuge hat inzwischenüber 100 Schulen besucht, um seine Geschichte mit vielen Menschen zu teilen.

Er erzählte, dass er in die Nazi-Zeit hineingeboren wurde und als diese beendet wurde, war er gerade einmal 12 Jahre alt. Er erzählte unter Tränen, dass er gemeinsam mit seinem älteren Bruder die Familie ernähren musste. Sein Vater war Jude, derin ein KZ gebracht wurde, das er glücklicherweise überlebte. Die Mutter floh gemeinsam mit den Kindern nach Polen und hat so getan, als würden sie vor den Amerikanern fliehen. Das hielt allerdings nicht lange und sie kehrten nach Hamburg zurück, wo sie sich in einem Keller versteckten. Sie schliefen in Strohdecken und ohne Heizung. Am 02. Mai, 6 Tage vor der Befreiung, wurden sie von SS-Männern ausfindig gemacht und diese wollten die Familie angeblich auf eine „Schule schicken, wo sie früher oder später ums Leben gekommen wären. Allerdings haben sie neun Leute gesucht, doch die Familie war nur zu siebt. Sie sagten, sie würden in paar Tagen wieder kommen, wenn die Familie vollzählig sei. Dazu ist es glücklicherweise nie gekommen, denn der Krieg wurde 6 Tage später beendet. „Wir haben längst vergeben, aber nie vergessen, sagt Buterfas-Frankenthal.

Im Jahre 1945, nach Kriegsende, durfte er wieder zur Schulegehen. Allerdings nahmen die anti-jüdischen Bemerkungen auch nach der Nazizeit kein Ende. Als Beispiel erzählte er die Geschichte des Familiennamens seiner Frau (Frankenthal), als ein Standesbeamter seine Frau fragte, ob das denn ein „deutscher“ Name sei. Dies war für ihn mit ein Grund, ihn dann als zweiten Nachnamen anzunehmen.

Kurz bevor die Zeit um war, fragte Herr Buterfas-Frankental, ob unter den Schülerinnen ein Mädchen namens Sarah sitzen würde. Daraufhin begab sich eine Sarah auf die Bühne und Herr Frankental erzählte, dass das der Name einer jüdischen Prinzessin war und in der Nazizeit Jüdinnen den Zweitnamen Sarah tragen mussten, um ihre jüdische Herkuft deutlich zu machen, und so wurde der Name ausgenutzt. Er schenkte ihr ein Buch, welches er geschrieben hatte. Am Ende hatten die Schüler und Schülerinnen die Möglichkeit, Herrn Buterfas-Frankenthal Fragen zu stellen. Eine von ihnen lautete, was denn seine erste Erinnerung wäre. Er erzählte, als er drei oder vier Jahre alt war, mussten sie aus der Wohnung ausziehen und in einem Heim weiter leben. Sein Bruder hatte eine Verletzung, woran er leider starb, weil er nicht operiert werden durfte.

Es war definitiv sehr gut, dass wir durch einen Zeitzeugeneinen Einblick in die Zeit bekommen konnten. Es ist natürlich viel vertrauter, wenn jemand seine persönlichen Erfahrungen mit uns teilt, statt alles aus Büchern herauszulesen. Ich bin sehr froh, dass Herr Buterfas-Frankental uns dies ermöglicht hat.

Aleyna Boyraz, S2-Reli-Profil