Workshop „Menschenrechte“ von Amnesty International

Am Profiltag vor den Frühjahrsferien kam das S2-Religions-Profil in den Genuss eines Workshops von Amnesty International zum Thema Menschenwürde und Menschenrechte. Der Workshop wurde von Ulrich Metzdorf geleitet, der seit 30 Jahren bei Amnesty International tätig ist; beruflich ist er interessanterweise Chemieingenieur.

Amnesty International hat sich u.a. das Ziel gesetzt, dass irgendwann Folter abgeschafft ist. Der Ursprung der Organisation liegt im Jahre 1961, wo in Portugal eine Diktatur herrschte; das Wort „Freiheit“ war ein Wort, welches strengstens verboten war: Zwei Studenten kamen ins Gefängnis, weil sie auf die Freiheit angestoßen hatten. Und so entwickelte sich Amnesty Internatonal (Gründung 1961 in London), um „vergessenen“ Inhaftierten zu helfen. Es folgte ein Aufruf an alle Menschen, einen Brief an die Regierung zu schreiben, um solchen Gewaltopfern zu helfen.

Unter anderem konnte Amnesty International durch eine Briefaktion einer gefangenen Frau aus dem Iran helfen, welche sich für die Freiheit eingesetzt hatte, indem sie Flugblätter verteilt hatte. Sie war zu einer Haftstrafe von sieben Jahren verurteilt worden, wovon sie 51 Tage in Einzelhaft verbringen musste, begleitet von vielen Schlägen. Weltweit wurden fünf Millionen Briefe verfasst und ihr dadurch tatsächlich aus dem Gefängnis verholfen. Zum Schluss dieses Moduls wurde ein Film abgespielt, welcher uns darauf aufmerksam machte, dass wir alle helfen können.

Zu Beginn der nächsten Einheit bekamen alle Schüler und Schülerinnen fünf Spielfiguren und auf unseren Tischen wurden Artikel aus der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte (AEMR) von 1948 ausgelegt. Mithilfe der Figuren sollte jeder Schüler angeben, welche Artikel er für sehr wichtig hält. Danach wurden die Artikel mit den meisten Stimmen, aber auch die mit den wenigsten Stimmen besprochen. Anschließend haben wir ein Quiz gemacht, welches Fragen beinhaltete wie „Wann wurden die Menschenrechte begründet?“ oder „Wie viele Artikel hat die AEMR?“ Uns wurde deutlich, dass die Menschenrechte universell, unteilbar und unveräußerlich sind. Das sind die drei Us: die Wirkungsprinzipien. Außerdem sind es wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte (die WSK-Rechte), die zusammen mit den bürgerlichen und politischen Rechten eine Einheit bilden.

Als nächstes wurde uns ein weiterer kurzer Film gezeigt, welcher zeigte, dass die Menschenrechte Grundbedürfnisse und für das Überleben nötig sind. Alle Menschenrechte ergänzen sich. Außerdem gab es ein weiteres Quiz, diesmal über Frauenrechte. Unter anderem lautete eine Frage: „Was passiert in El Salvador mit Frauen, die eine Fehlgeburt erlitten haben?“ Die richtige Antwort kann erschreckenderweise lauten: wegen Mordes zu 50 Jahren Haft verurteilt.

Im zweiten Teil des Workshops wurde über Folter – Definition: „Folter ist die äußerste Perversion der Intimität.“ – gesprochen; dafür sollte sich jeder etwas aufschreiben, das ihm dazu wichtig erschien. Die Schüler und Schülerinnen gingen anschließend zur Auswertung nach vorn und bezogen kurz Stellung zu ihrer Auswahl.

Passend zum Thema wurden zwei Schülerinnen, welche sich freiwillig bereit erklärten, nach vorne gebeten. Die eine Person verband die Augen der anderen mit einem Schal, woraufhin sich diese von verschiedenen Gegenständen berühren ließ. Als erstes wurde sie mit einem Pinsel an der Hand gestreichelt, was für Zärtlichkeit stand. Direkt danach wurde ein Foltergegenstand, eine Wasserpumpenzange, an ihre Hand gehalten und gleichzeitig wurde ihr die Augenbinde abgenommen. Nach dem Experiment wurden wir in Gruppen eingeteilt und jede Gruppe bekam einen Text zum Thema Folter bzw. zur Menschenwürde allgemein. Nach der Arbeitsphase tauschten wir die Ergebnisse aus.

Zum Schluss wurde ein letzter kurzer Film abgespielt, welcher verdeutlichte, dass wirklich jeder Brief zählt. Bei Amnesty Interational kann jede/r ab 15/16 Jahren mitmachen und helfen, z.B. indem er Briefe schreibt und sich hilfreiche Aktionen ausdenkt bzw. an ihnen mitwirkt. Insgesamt war es ein sehr interessanter und sehr gut gestalteter Workshop.

Aleyna Boyraz, Religionsprofil S2