Schulkinowochen 2019

Zur diesjährigen Schulkinowoche haben wir, das S1-Religionsprofil, eine Exkursion gemacht. Da wir an dem Projekt „Wie wollen wir leben?“ teilgenommen haben, haben wir uns den Film „female pleasure“ von Barbara Miller – über fünf Kulturen, fünf mutige, kluge, selbstbestimmte Frauen, eine Geschichte – angesehen.

In dem Film geht es um fragwürdige patriarchale Traditionen aus verschiedenen Kulturen und Religionen: um die Unterdrückung von Frauen, insbesondere des weiblichen Körpers. In dem Film wurden fünf Frauen aus fünf verschiedenen Kulturen vorgestellt, die jede ihre eigene berührende Geschichte erzählt hat.

Kampf gegen Diskriminierung und Unterdrückung:
Die erste im Film vorgestellte Frau war Deborah Feldman, sie stammt aus einer abgeschottet lebenden ultraorthodoxen jüdischen Gemeinde in New York und wurde mit 17 Jahren mit einem Mann zwangsverheiratet, den sie vorher noch nie gesehen hatte. Sie ist ausgestiegen und lebt heute als Schriftstellerin mit ihrem Sohn in Berlin.

Kampf gegen körperliche Gewalt:
Die Somalierin Leyla Hussein, aufgewachsen in einer strenggläubigen muslimischen Familie, kämpft als Psychotherapeutin und Aktivistin gegen die weibliche Genitalverstümmelung auf der ganzen Welt – die auch in Europa vorkommt – , ein grausames Ritual, dem sie selber im Alter von sieben Jahren zum Opfer fiel, obwohl der Koran diese Praxis nicht kennt.

Kampf für positive Körperbilder:
Die Manga- und Aktionskünstlerin Rokudenashiko, aufgewachsen in einem traditionellen buddhistisch-shintoistischen Elternhaus in Japan, macht sich u.a. mit Abdrücken ihrer Vagina als Vorlage für Kunstwerke für eine Enttabuisierung weiblicher Lust stark. Sie musste sich dafür sogar vor Gericht verantwortlichen. Hier konnte man den Unterschied zwischen Frauen und Männern schnell erkennen, denn Männer wurden in Prozessionen für ihr Geschlechtsteil gefeiert. Bei Frauen ist dies ganz anders; wenn sie über ihr Geschlechtsteil sprechen, drohen sie sofort bestraft und sogar vor Gericht gezogen zu werden.

Kampf gegen Missbrauch:
Die Theologin und Philosophin Doris Wagner lebte seit dem Alter von 19 Jahren als Nonne in einem erzkonservativen katholischen Kloster in Rom. Sie wurde von einem Priester vergewaltigt und musste erleben, wie ihr auch noch die Schuld dafür gegeben wurde und die erfahrene Gewalt vertuscht wurde. Hilfe bekam sie von ihren Ordensgeschwistern nicht. Heute kämpft sie gegen Doppelmoral und sexualisierte Gewalt in der katholischen Kirche.

Protest und Aufklärung:
Vithika Yadav, aufgewachsen in einer traditionellen Hindu-Familie in Nordindien, versucht durch die Internetplattform „Love Matters“ sexuelle Aufklärung und Hilfe in der Beziehung zu geben, um mehr Respekt zwischen den Geschlechtern zu schaffen.

Es wurde uns noch einmal deutlich, dass Frauen in verschiedenen Kulturen respektlos behandelt und unterdrückt worden. Viele Frauen müssen auch heute noch sehr schlimme Dinge durchmachen, wie zum Beispiel die Genitalverstümmelung. Und dies nicht nur in scheinbar archaischen Gesellschaften, sondern ebenso in „modernen“ Gesellschaften. Es gibt nach wie vor eine strukturelle Dämonisierung des weiblichen Körpers.

In der nächsten Religionsstunde haben wir als Klasse den Film noch einmal zusammen reflektiert. Jede/r hat ihre/seine Meinung zum Film geäußert und offene Fragen sowie Unklarheiten wurden geklärt. Abschließend können wir sagen, dass wir die Filmauswahl sehr gut fanden, denn der Film hat uns einen Einblick in die problematischen Aspekte der verschiedenen Kulturen verschafft. Es war ein geeigneter Film, um über Geschlechterbilder auch in unserer Gesellschaft und unsere Verantwortung nachzudenken.

Dilan & Marija (12d)