Exkursion des Reli-Profils zur Uni-Vorlesung „Theologie interreligiös und dialogisch“


Zwei christliche
Theologen, Prof. Dr. Reinhold Bernhardt und Prof. Dr. Perry Schmidt-Leukel, sowieeine buddhistische Theologin, Gastprofessorin Dr. Carola Roloff, haben uns jeweils über ihren neuesten Ansatz zur Sichtweise auf andere Religionen berichtet. Die abendliche Veranstaltung wurde von der Akademie der Weltreligionen (AWR) an der Uni Hamburg organisiert und vom Gründer der AWR, Prof. Dr. Wolfram Weiße, moderiert.

Bernhardt stellte drei verschiedene Sichtweisen auf andere Religionen dar. Die erste Sicht war der Exklusivismus, d.h. Religion wird als Abgrenzung interpretiert. Gemeint damit ist, dass man das Wesen des Glaubens als Gewissheit bestimmt und es danachkaum Gemeinsamkeiten zwischen den Religionen gibt. Man erhebt einen Anspruch auf Exklusivität, Universalität und absolute Wahrheit. Außerdem hat er noch gesagt, dass aus exklusivistisch-christlicherSicht niemand zu Gott kommt, der sich nicht zuChristus bekehrt; würde es Christus nicht gebenkönne keiner zu Gott kommen.

Als zweite Sichtweise in Bezug auf andere Religionen stellte Bernhardt den Inklusivismus aus Gegenseitigkeit vor, ein Modell, das er selbst vertritt. Die pluralistische Position Schmidt-Leukels lehnt Bernhardt ab, da es nicht zuerst darum ginge, nach Gemeinsamkeiten zu suchen oder gar von vornherein zu behaupten. Er denkt auch, dass Schmidt-Leukels Position unrealistisch ist, da alle Religionen möglicherweise so etwas wie einen Absolutheitsanspruch (auf Exklusivität, Alleinwahrheit, Finalität) vertreten. Er möchte deshalb erstens nach Ansätzen in der eigenen Religion suchen, die Wertschätzung blockieren und zweitens nach Ansätzen, die eine interreligiöse Theologie möglich machen. Bernhardt sagte, dass die transzendente Wirklichkeit größer sei als die Wahrheit einer Religion, was aber nicht heiße, dass alle Religionen gleichwertig seien. Er sieht den Glauben als persönliche Gewissheit (Beziehungswahrheit, nicht Sachwahrheit) und will ihn nicht verallgemeinern.

Der zweite Beitrag wurde von dem Theologen und Religionswissenschaftler Schmidt-Leukel gehalten, der die von Bernhardt kritisierte pluralistische Religionstheologie vertritt. Er vertritt die Auffassung, dass eine interreligiöse pluralistische Theologie möglich ist, da das Auftreten der Wahrheit in unterschiedlicher vielfältiger Gestalt voraussetzt, dass sich die Religionen nicht widersprechen müssen, aber komplex unterscheiden können, und dass Vielfalt substantiell miteinander vereinbar sein kann, zumal es Unterschiede ja auch innerhalb jeder Religion gebe. Er denkt, dass man die pluralistische Position der Idee der Gleichwertigkeit in Vielfalt nur anhand der eigenen Religion formulieren kann und dass es Pluralismus in allen Religionen gibt. Er sieht die interreligiöse Theologie als den Beginn einer neuen Theologie und sagt, dass man die pluralistische Position unterschiedlich formulieren kann. Wenn man interreligiöse Theologie als wahr und glaubwürdig darstellen möchte, sei vorauszusetzen, dass man Kernaussagen der religiösen Bekenntnisse und Verständnisse miteinander in Bezug setzt. Er hat sich darauf bezogen, ob Teile der Religionen komplementär sind oder sie sich widersprechen. Er ist der Meinung, dass man sich wichtige Personen der Religionen angucken muss, wie z.B. Buddha und Mohamed, und dann schaut, ob sie komplementär sind. Dabei solle man nicht nur auf Unterschiede gucken, da diese ja trotzdem miteinander vereinbar sein können. Er möchte, dass die interreligiöse Theologie in jeder Religion betrieben wird.

Das dritte Statement wurde von der feministischen buddhistischen Theologin Roloff gehalten, die der Meinung ist, dass die Religionen Offenheit beinhalten. Sie hat sich insbesondere gefragt, in welcher Weise das Geschlecht für eine dialogische Theologie wichtig sein kann. Ihre Antwort darauf ist, dass  feministisch denkende Menschen bei einem Dialog, auch auf wissenschaftlicher Ebene, auf die feministische Perspektive eingehen können. Das Ziel ist die Veränderung, Erweiterung bzw.Transformation des eigenen theologischen Standpunktes, um ein kritisch wertendes Arbeiten zu erreichen. Ihr geht es auch um die Geschlechtergerechtigkeit in allen Religionen, da Frauen in der Regel unterpräsentiert sind. Roloffsagte auch, dass religionsbezogenene Studien durch die Macht männlicher Dominanz, welche religiöse Aussagen präge, stark verzerrt sind. Aus Roloffs Sicht sollte man immer verschiedene Perspektiven in den Blick nehmen. Sie ist der Auffassung, dass die Gender-Thematik in allen Religionen in allen Fragen miteinbezogen werden sollte. Nur so sei Freiheit erreichbar und der Glaube könne offen praktiziert werden. Es reiche aber nicht, „wenn eine Frau mit am Tisch sitzt“. Die Solidarität ist eine gemeinsameForderung, die zu einem Prozess führt, dass Religionen auch im 21. Jahrhundert relevant bleiben. Zum Schluss vertrat sie den Standpunkt, dass sich Religionen nicht an das Grundgesetz halten, wennz.B. Frauen keine katholischen Priester werden können.

Nach einer anschließenden Antwortrunde von drei anderen Theolog/inn/en sowie kurzen Reaktionen der Hauptredner/innen gab es auch für das Publikum die Möglichkeit, Fragen zu stellen.

Despina und Aleyna (Reli-Profil, 12d)