Bühnenfassung von „Vor dem Fest“ – Kommentar einer Lessing-Schülerin

Eine Nacht, ein Dorf und eineinhalb Nazis: „[…] Dörfer sind so individuell, so verschieden.“ Fürstenfelde, ein fiktives Dorf in der Uckermark, war Schauplatz der von Charlotte Sprenger inszenierten und am 11. Februar 2019 im Thalia Theater aufgeführten Bühnenfassung des Romans Vor dem Fest von Saša Stanišić. Der Tag und die Nacht vor dem Annenfest bildeten den zeitlichen Rahmen.

Die Dorfbewohner feierten es jedes Jahr, ohne eigentlich zu wissen warum: „Was wir feiern, weiß niemand so recht. Nichts jährt sich, nichts endet oder hat genau an diesem Tag begonnen. […]“ Die Dorfbewohner übernahmen durch ein starres Auftreten mit dem Blick zum Publikum auch die Erzählerrolle, einem Wir-Erzähler, der alle Figuren einschloss. Die Geschichte des Buches wurde humorvoll und anschaulich unter Einbezug stimmiger Kostüme und Requisiten dargestellt. Männer kleideten sich – als theatralische Unterstützung – mit voluminösen Kleidern und entlockten dem Publikum so einen Lacher. Zudem war der Musikeinsatz sehr gelungen, da dieser das Stück unterstützte. Besonders hervorzuheben seien hier der Gesang im Chor, die Titelmelodie, das gemeinsame Summen und Annas Solo am Ende.

Im Buch werden die willkürlichen, ungeordneten Handlungsstränge durch Kapitel markiert, was in dem Theaterstück ohne Kapitelangabe oft für Verwirrung sorgte, da das Stück stark an das Buch gebunden war und die Handlung in der selben ungeordneten Reihenfolge erzählt wurde.

Das Theaterstück wurde in einem anschaulichen Bühnenbild aus einer hellblauen, tiefhängenden Stoffbahn, die für Himmel und Weite standen, präsentiert. Der Boden – ebenfalls mit einem hellblauen Laken bedeckt – veranschaulichte den See. Durch das Herunterfallen des Horizontes, das, da Fürstenfelde nur ein fiktives Dorf mit ausgedachten Geschichten war, den Einbruch ins Reale deutlich widerspiegelte, wurde das Stück geschlossen. Dieses malerische, einem Gemälde gleichende Bild wurde mit Szenen, in denen Figuren vergeblich versuchten, aus diesem auszubrechen, unterstützt.

Obgleich viel Konzentration und Vorwissen erforderlich war, handelte es sich alles in allem um ein sehr humorvolles und tolles Stück. Hierfür und für die pointiert-präzise Performance der Schauspieler wurde heftig geklatscht!

Ein Kommentar von Kaya Reichenbach (S4-Schülerin der Lessing-Stadtteilschule)