Religions-Projekt „Islam, Stereotypen, Diskriminierung“

An unserem Profiltag (22.02.2018, Standort Soldatenfriedhof) kamen für sechs Stunden zwei studentische Teamer/innen des Projektes „Wie wollen wir leben? – Filme und Methoden für die pädagogische Praxis zu Islam, Islamfeindlichkeit, Islamismus und Demokratie“ zu uns ins PGW-Reli-Profil S2, ein Mann und eine Frau, und haben mit uns viel über den Islam in unserer Gesellschaft und über Diskriminierung aufgrund von Religion, Aussehen, Herkunft, Ideologie usw. geredet und diskutiert. Die Workshops werden vom Hamburger Landesinstitut (LI) und dem Berliner Verein ufuq.de angeboten und befassen sich mit Religion, Identität, Zugehörigkeit, Geschlechterrollen, radikalen Predigern im Internet und Diskriminierungserfahrungen. Die Teamer/innen arbeiten mit Filmen und Methoden, die von ufuq.de in Kooperation mit der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg (HAW) entwickelt und bundesweit in einer Vielzahl von Workshops erprobt wurden.

Das Profil hatte sich für den Projekttag den Schwerpunkt „Islamfeindlichkeit/ Diskriminierungserfahrungen“ ausgewählt. Zu Beginn spielten wir einige Spiele, bei denen wir uns zum Beispiel der Schuhgröße nach ordnen oder in Gruppen stellen sollten, je nach Geschwisteranzahl, Herkunft, welcher und ob wir einer Religion angehören und an wen oder was wir glauben. Dann bekamen alle einen Zettel, auf dem das Wort „Islam“ groß untereinander geschrieben war und wir sollten Wörter aufschreiben, die wir damit assoziieren. Als alle fertig waren, haben wir die Wörter verglichen und besprochen, ob Begriffserklärungen gewünscht sind.

Als Übergang zum Thema Diskriminierung wurde uns ein Film über die Multikultur in Deutschland gezeigt. Wir redeten darüber, wie, wieso und wodurch Muslime in den Medien (schlecht) dargestellt werden. Hiernach haben die zwei Studierenden, Lotta und Hussein, Fragen und Aussagen aus dem Film übernommen und auf fünf große Plakate geschrieben, damit wir unsere Gedanken und Kommentare jeweils in Gruppen dazuschreiben konnten. Bei der mündlichen Diskussion über die Aussagen auf den Plakaten fragten wir uns, ob diese Aussagen ein gutes Fundament besitzen. Ebenfalls redeten wir darüber, wie wir auf Vorurteile reagieren; was im Islam oder ganz allgemein bei verschiedenen Religionen und Glaubensrichtungen „richtig“ und was „falsch“ ist, und dass der Einfluss der Familie sowie der Medien und sozialen Netzwerke zur Unzufriedenheit führen kann. Außerdem fiel einigen auf, dass die Integration in die Gesellschaft nicht sehr beispielhaft läuft und die Komfortzone dabei eine große Rolle spielt.

Es wurde die Frage in den Raum geworfen, wie und wo man sich am besten über Religionen informieren kann. Sollte man lieber Bücher lesen oder sich im Internet informieren? Ist das, was im Internet steht, eher subjektiv oder „objektiv“? Sind direkte Gespräche mit Menschen eine bessere Quelle zum Wissen oder lieber doch Bücher von Autoren wie Mouhanad Khorchide? Dazu hat Hussein uns einen weiteren Autor empfohlen, den Islamwissenschaftler Thomas Bauer, der ebenfalls z.B. in seinem Buch „Die Kultur der Ambiguität. Eine andere Geschichte des Islams“ u.a. über den Islam schreibt und aufklärt.

Um auf das Stichwort Komfortzone zurückzukommen, fragten wir uns, was „Heimat“ für uns bedeutet und wann man „deutsch“ ist. Worauf viele antworteten, dass Heimat der Ort ist, an dem sie sich am wohlsten fühlen. Ob das im Ausland oder hier in Deutschland, im eigenen Zuhause, ist. Dort wo man sich zugehörig fühlt. Es sollte der erste Gedanke sein, der einem in den Sinn kommt, wenn man an die Heimat denkt. Und genau so frei sollte man bei der Entscheidung sein, wann man deutsch ist. Eine Person ist entweder für sich deutsch oder nicht, das ist eine Herzensangelegenheit.

Als nächstes sprachen wir über antimuslimische Gruppierungen, „Islamisierung“ in Deutschland und den Stolz der Gläubigen. All diese großen Titel, wie sie im Internet oder in Zeitschriften vorkommen. Dazu schauten wir uns einen weiteren Kurzfilm an, in dem gezeigt wurde, wie Muslime versuchen zu überzeugen, dass der Islam keine Terrorgemeinschaft ist. Dass Terrorismus nichts mit dem Islam zu tun hat, sondern ganz andere Gründe hat. Weiterhin wurden junge Leute gezeigt, die über ihre Erfahrungen mit Diskriminierung und Mobbing gesprochen haben, wie sie sich Sprüche von anderen Leuten anhören mussten und sich mittlerweile daran gewöhnt haben. Wie sie ausgegrenzt wurden, weil sie sich anders gekleidet oder verhalten haben. Es wurde auch gesagt, dass dies keine Opferideologie sei, sondern einfach die Wahrheit.

Um uns weiter auszutauschen, legten wir Wörter in die Mitte eines Stuhlkreises, die wir mit Diskriminierung verbinden. Dort lagen nach ca. zehn Minuten zahlreiche Wörter: Gewalt, Fremdheit, Hass, negative Beurteilung, Vorurteil, Ausgrenzung, Abneigung, Oberflächlichkeit, Beleidigung, Meinungsfreiheit, Dummheit, Individuell und Erfahrung. Daraufhin haben wir über diese Wörter diskutiert und erzählt, was wir uns dabei dachten als wir sie aufgeschrieben haben. Wie weit geht z.B. die Meinungsfreiheit bei Diskriminierung? Gehören Gedanken auch zur Diskriminierung? Wie kann man Diskriminierung eigentlich definieren? Und dass Gewalt sowohl psychisch als auch physisch zugefügt werden kann.

Später sollten wir in Gruppenarbeit Begriffe untereinander besprechen (z.B. Herkunft, sexuelle Orientierung, Stereotypen, Vorteile und Nachteile, unbewusst und bewusst, usw.) und an einer Pinnwand zuordnen, auf der Kärtchen mit Fragen dazu angebracht waren. Wir sprachen danach über Abwertung in den Medien, und einen Vorfall, der einer Frau passierte, die muslimischer Herkunft war. Dass es außerdem nicht nur Feindlichkeit gegenüber Muslimen gibt, sondern z.B. auch Behindertenfeindlichkeit. Dass Menschen aufgrund ihres ausländischen Namens abgelehnt werden, wie man es selber eventuell in Erfahrung hat bringen müssen und womit sich viele Menschen identifizieren können.

Zwischendurch haben wir ein letztes Spiel gespielt, „Schere, Stein, Papier“, damit wir uns wieder ein bisschen bewegen. Daraufhin bekamen wir wieder in Gruppen drei verschiedene Comics und sollten einen davon sowohl einzeln als auch in der gesamten Gruppe besprechen. Darauf waren Situationen abgebildet, mit denen Muslime möglicherweise konfrontiert werden könnten. Wie z.B. eine muslimische Apothekerin mit einem Kopftuch, die von einer Kundin diskriminiert wird und sich im Gegenzug wehrt. Oder eine Person, die verwirrt ist, weil links von ihr jemand steht, der sagt, sie sei zu offen angezogen, und rechts von ihr eine andere Person, die behauptet, sie sei zu verschleiert. Diese Comics brachten uns dazu, darüber zu reden, wie wir in solchen Momenten agieren würden. Dabei gab es ganz unterschiedliche Ergebnisse: einige sagten, sie würden es ignorieren und sich selbst damit einen Gefallen tun, andere meinten, sie würden angreifen und sich rechtfertigen, und wieder andere meinten, sie würden der Person extra mit Freundlichkeit und Höflichkeit entgegenkommen, um ihr einen Denkzettel zu erteilen.

Den letzten Film, den wir zum Ende hin schauten, war ein Teil einer Comedy-Show (→ Rebellcomedy), in dem Serdar Somuncu auf eine humorvolle Weise schilderte, wie über Muslime oft in Medien gesprochen wird und dass beispielsweise Delikte von Muslimen oft dramatisiert werden im Gegensatz zu Delikten von anderen. Die Medien verringern dadurch die Ernsthaftigkeit z.B. bei deutschen Tätern stark.
Er erzählte auch, dass manche Journalisten nicht recherchieren, bevor sie einen Bericht verfassen, und dadurch viel leichter Feindbilder entstehen.

Zum Schluss sollten wir einen Feedback-Bogen ausfüllen und durften auch Anmerkungen machen, z.B. dass auf jede Antwort Rücksicht genommen wurde und man uns immer nach Begriffserklärungen gefragt hat. Das Feedback fiel natürlich nach diesem interessanten Tag sehr positiv aus. Herzlichen Dank an Lotta und Hussein sowie an Christoph Berens vom Referat Gesellschaft am LI für die Möglichkeit der Teilnahme an dem Workshop.

Sunem, Profil PGW-Reli S2