Darstellendes Spiel

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Das Fach Darstellendes Spiel hat aufgrund langjähriger Tradition und ständiger Reflexion einen besonderen Stellenwert an unserer Schule. Im Darstellenden Spiel wird bei uns projektorientiert gearbeitet. Wie erstellen mit unseren Schülerinnen und Schülern mit verschiedenen Methoden „kleine“ wie „große“ Inszenierungen. Seit längerem hat es sich eingebürgert, dass wir fertige Produktionen auch für bestimmte Stufen am Vormittag während der Unterrichtszeit zeigen. Zentraler Unterrichts, Proben- und Aufführungsraum ist die Aula. Wir verfügen über einen Requisiten- und Kostümfundus und eine Grundausrüstung für Licht und Ton. Vor zwei Jahren haben wir eine variable Podesttribüne für ca. 100 Zuschauer sowie ein Vorhangsystem neu installieren können. So können wir den Bühnenraum vielfältig gestalten. Wir unterrichten das Fach ab Jahrgang 9 und erarbeiten in dieser Stufe systematisch Grundtechniken des Theaterspielens. In den ebenfalls zweistündigen Kursen der Vorstufe wird in der Regel an einer szenischen Collage zu einem freien Thema gearbeitet. In den Grundkursen (3stündig) der Jahrgänge 12 und 13 werden Literaturvorlagen frei bearbeitet und zu Aufführungen gefügt, an denen manchmal auch die beiden anderen künstlerischen Fächer Musik und Bildende Kunst sowie Werken beteiligt sind.

Ziel ist es, das Fach systematisch ab Jahrgang 7 anzubieten. An unserer Schule können Schülerinnen und Schüler dieses Fach auch als viertes Abiturprüfungsfach (mündlich) belegen.

Viele Produktionen wurden in der Vergangenheit auch außerhalb der Schule aufgeführt, z.B. in der „Markthalle“, auf „Kampnagel“ , im „TiK bzw. Thalia in der Gaußstraße“ oder in der Altonaer „Fabrik“ , in Harburg im „Rieckhof“, in der „Friedrich-Ebert-Halle“ oder im Saal des „Helms-Museums“.

Seit ein paar Jahren haben wir unsere Schulaula als für unsere Bedürfnisse optimalen Raum zurückerobert. Das hindert uns nicht daran, andere Spielorte innerhalb und außerhalb der Schule zu entdecken und zu bespielen. Viele Aufführungen unserer Schule haben an Schultheaterfestivals in Hamburg und in der Bundesrepublik teilgenommen. Mit einigen sind wir sogar im Ausland gewesen (Israel und Türkei).

Anforderungsprofil

des Faches Darstellendes Spiel (Sek II) am Lessing-Gymnasium
und Vereinbarung
Das Fach Darstellendes Spiel unterscheidet sich in seinem Anforderungsprofil von anderen Fächern. Dieses Profil soll hier aufgefächert werden und damit die Grundlagen der Zusammenarbeit in diesem Fach verdeutlichen und zugleich wie in einer Vereinbarung verbindlich machen.
Die Vereinbarung ist mit der Klarstellung, was das Fach von seinen TeilnehmerInnen verlangt, auch ein Angebot zur Selbstprüfung, ob man diese Anforderungen erfüllen will und kann, und eine Aufforderung zu einer verantwortlichen Entscheidung. Die Wahl steht einem frei.
Nur TeilnehmerInnen, die die Anforderungen anerkennen und erfüllen können, ermöglichen eine solide und sinnvolle Theaterarbeit, d.h., nur wer sich den Anforderungen stellen will, kann sich für dieses Fach entscheiden. Halbherzige Entscheidungen sind in besonderem Maße unverantwortlich, weil sie nicht wie in anderen Fächern zu Lasten der eigenen Arbeit und Note gehen, sondern zu Lasten der anderen TeilnehmerInnen und des Theaterprojekts insgesamt.

1. Theaterarbeit ist Körperarbeit.

Fast zu jeder Stunde gehören Aufwärmübungen. Die TeilnehmerInnen müssen Spaß daran haben, sich zu bewegen, zu spielen und den Körper als Ausdrucksinstrument zu begreifen und auszubilden. Für die Arbeit ist geeignete, unempfindliche Kleidung wichtig (dunkle, besser noch: schwarze Kleidung und Turnschuhe sind Pflicht!). Wem Aufwärmübungen „auf die Nerven gehen“, ist in diesem Fach am falschen Platz.

2. Darstellendes Spiel ist ein künstlerisches Fach.

Die TeilnehmerInnen müssen Spielfreude mitbringen, aber nicht nur das. Das Fach erfordert Bereitschaft, an seiner Spielfähigkeit zu arbeiten und sie weiter zu entwickeln. Dazu gehören:
Spaß an der Improvisation zu haben und Improvisationsübungen für neues Spielmaterial und zur Ausdifferenzierung eigener Ausdrucksmöglichkeiten zu nutzen;
in Improvisation und Spiel die Impulse der anderen aufzugreifen und selbst Impulse zu geben;
an ersten Ergebnissen weiterzuarbeiten und sie in Abstimmung mit anderen theatral zu verdichten;
das Spiel der anderen genau zu betrachten und konstruktive Rückmeldung zu geben sowie Rückmeldungen der anderen in die eigene Arbeit aufzunehmen und Verbesserungsvorschläge umsetzen zu können;
mit eigenen Ideen das Theaterprojekt voranzubringen und zu verbessern;
sich konzentriert, kreativ und eigenständig mit den eigenen Rollen zu befassen, wobei die rechtzeitige und sichere Textkenntnis Voraussetzung ist.

3. Darstellendes Spiel hat eine projektorientierte Arbeitsweise.

Die Gestalt einer Aufführung kann nicht von vornherein feststehen, sondern wird von den TeilnehmerInnen entwickelt. Dazu ist die Präsenz einer/eines jeden Teilnehmerin/ Teilnehmers unbedingt erforderlich. Sowohl im Sinne einer beständigen Anwesenheit im Kurs als auch im Sinne einer hohen Aufmerksamkeit während der Arbeit bzw. für die Erfordernisse der Arbeit. Das heißt u.a., Vorschläge/Konzepte und Lösungsversuche selbst zu unternehmen und nicht von anderen zu erwarten. Das heißt auch, Irrwege als Teil des künstlerischen Prozesses zu begreifen, ihre Chancen zu erkennen und Ausdauer zu haben, den ‚richtigen‘ Weg zu finden.
Theaterarbeit bringt Aufgaben jenseits der Spieltätigkeit mit sich, wie z.B. Beschaffung von Requisiten oder die Gestaltung von Licht bis hin zum Getränkeausschank bei der Aufführung oder das Aufräumen nach den Proben und den Aufführungen. Die TeilnehmerInnen müssen sich zu gleichen Teilen dieser Aufgaben annehmen und in der Lage sein, das Projekt in seiner Ganzheit im Auge zu haben und zu unterstützen.
Theaterarbeit ist auf Präsentation angelegt. Probenarbeit und Präsentation sind zwei Hälften, die zusammen erst ein Ganzes ergeben. Von daher ist eine Aufführung der Zielpunkt des Faches. Die TeilnehmerInnen müssen für die Aufführung zur Verfügung stehen.
Wer meint, im Fach Darstellendes Spiel unverbindlich herumspielen zu können und der inneren Anspannung einer verlässlichen und kompetenten Teilnahme an der Aufführung ausweichen zu können, ist in diesem Fach am falschen Platz.

4. Darstellendes Spiel ist zeitaufwändig.

In den drei Schulstunden sind oft nur Ansätze entwickelbar, die in Extra-Proben mit einem größeren Zeitrahmen erst verdichtet werden können. Auch in der Endprobenphase ist der Kurs darauf angewiesen, auf Extra-Termine auszuweichen. TeilnehmerInnen, die zu diesen vereinbarten Terminen nicht erscheinen, beeinträchtigen die Arbeitsfähigkeit erheblich und vor allem die Arbeitsmotivation der Gruppe. Von daher gilt:
Extra-Proben sind Pflichtveranstaltungen. Sie werden mit allen TeilnehmerInnen rechtzeitig abgestimmt und gelten als verbindlich.
Bei längerer Krankheit ist ein ärztliches Attest vorzuweisen und der Lehrkraft ist das Fernbleiben vorher (möglichst über das Schulbüro) mitzuteilen.

Wer durch Job, Leistungssport, Freizeitpriorität usw. nicht genügend Zeit für Extra-Proben mitbringen kann, sollte das Fach nicht belegen.
Den TeilnehmerInnen muss darüber hinaus klar sein, dass das Fach an zeitlichem Aufwand auch andere, gängige Anforderungen des Schulfaches beinhalten kann, wie z.B. eine Mappe zu führen, Hausaufgaben zu machen, Referate zu halten, Szenen aufzuschreiben usw.. Zeit braucht schließlich auch die sichere Kenntnis des eigenen Rollentextes.
Der Besuch von 2 – 3 meist abendlichen Theateraufführungen Hamburger Bühnen im Schuljahr ist verbindlich und gehört zum Unterrichtsstoff.

5. Darstellendes Spiel ist Gruppenarbeit.

Verantwortliche Gruppenarbeit ist eine zentrale Grundlage des Faches. Die Entwicklung der Spielfähigkeit und die positive Spannung einer Theaterarbeit hängen von der Bereitschaft der TeilnehmerInnen ab, miteinander zu arbeiten und füreinander verlässlich und konstruktiv zu sein. Insofern bildet eine Reihe sozialer Kompetenzen die Voraussetzung für die Teilnahme an dem Fach:
offen zu sein für die MitspielerInnen, mit jedem zusammenspielen zu können, das Spiel der anderen zu achten und situativ und sprachlich angemessen darauf einzugehen;
sich der Gruppendynamik zu stellen, sich darin konstruktiv zu verhalten und bei Konflikten auf Wege zu sinnen, wie die Zusammenarbeit verbessert werden kann;
das Gruppeninteresse über die eigenen Interessen zu stellen;
für die Gruppe ein verlässliches Mitglied zu sein, d.h., anwesend zu sein, Aufgaben zu übernehmen, Abmachungen einzuhalten, usw.;
positive Initiativen, Engagement einzubringen, die dazu beitragen, dass die Arbeit aller gelingt und nicht andere die Arbeit machen zu lassen.