Exkursion zum 5. Finkenwerder Religionsgespräch

Am Abend des 22. Januar 2018 nahmen aus dem S1 der Lessing-Stadtteilschule das PGW-Reli-Profil sowie einige Schüler/innen aus dem Reli-PGW-Profil am 5. Finkenwerder Religionsgespräch zum Zentralabiturthema „Menschenwürde“ in der Pausenmehrzweckhalle des Gymnasiums und der Stadtteilschule Finkenwerder teil. Nach einer interessanten Einführungsphase durch die Finkenwerder Schüler/innen, u.a. mit einer Vorstellung jüdischer, christlicher und islamischer Kernaussagen zum Thema „Menschenwürde“, nahmen auf dem Podium Imam Seyit Temur, Pastor Torsten Krause und Professor Ephraim Meir Platz. (Download des Plakates zur Veranstaltung)

Es wurden zahlreiche spannende Aspekte und Fragen angesprochen, z.B. ob die Menschenwürde universal oder an Kriterien gebunden ist, ob man seine Menschenwürde verlieren kann, z.B. durch unmenschliche Taten. Auch wir als Zuhörer/innen wurden durch mehrere Murmelphasen, u.a. zu zwei Fallbeispielen anhand der Frage „Darf man einen Menschen foltern, um dadurch möglicherweise das Leben eines Unschuldigen zu retten?“, eingebunden und konnten auch mit den Religionskundigen in den Dialog treten. Auf dem Podium war man sich grundsätzlich einig, dass die Würde des Menschen unantastbar sei, aus Sicht der drei vertretenen monotheistischen Religionen eine Verletzung des Artikels 1 des Grundgesetzes nicht erlaubt ist. Aus jüdischer Sicht könne es aber in Extremfällen Ausnahmen geben, die es erlauben, Druck auszuüben, z.B. im Falle von Hitler, denn wenn man zum Grausamen barmherzig sei, werde man grausam gegenüber der Barmherzigkeit. Das Gebot Leben zu retten stehe an erster Stelle.

Auf die Frage, ob man seine Menschenwürde verlieren kann, wurden ebenfalls verschiedene Antworten gegeben:

Die Menschenwürde sei von Gott gegeben, nicht selbst erworben, sodass man sie nicht verlieren könne; nur Gott könne sie nehmen. Man müsse nicht den Schmerz vergessen, aber man solle verzeihen und barmherzig sein, dadurch gewinne man selber auch. Durch Verzeihen gewinne man, auch wenn die Tat und der Schmerz bleiben.

Die Gottesebenbildlichkeit könne man verlieren; man müsse auch nicht alles vergeben, denn aus der Sicht der Opfer gebe es Dinge, die nicht vergeben werden könnten. Allerdings gebe es immer die Möglichkeit der Umkehr, man könne seine Würde wieder zurück gewinnen, wenn man sie verloren hat. Dies hänge aber in erster Linie nicht von dem Täter ab (ob er seine Tat bereut), sondern von der Person, der eine Untat widerfahren ist. Denn eine Wunde bleibe immer offen. Trotzdem ergebe sich für den Täter eine neue Perspektive, wenn er umkehrt, bereut. Ein Mensch, der Ehre verdient, sei einer, der andere ehrt.

Auf die Frage, was sie zum Thema Menschenwürde besonders bewegt, gab Imam Temur das Beispiel von Terroropfern; es bringe nichts, wenn man Vergeltung übe, denn die Menschenwürde gelte für jeden Menschen, und die Opfer würden ja dadurch auch nicht wieder lebendig. Pastor Krause ging auf die Problematik der Biotechnologien ein und meinte, dass ein menschenwürdiges Leben das Wichtigste sei. Fragen wie „Hat man das Recht, das eigene Leben zu beenden?“ und „Kann es ein nicht würdiges Leben geben?“ wurden diskutiert. Aus christlicher Sicht stehe die Menschenwürde über der Selbstbestimmung. Professor Meir sagte, Menschenwürde habe mit Aktivität zu tun. Er gab einige Beispiele, wo man aktiv zu menschenwürdigen Umständen beitragen könne: Hilfe für Schwerbehinderte, Hilfe für die Flüchtlinge, Hilfe für Drogenabhängige.

Das Religionsgespräch bot uns genug Anlass für eine Diskussion über die zahlreichen angesprochenen Aspekte zum Zentralabiturthema „Menschenwürde“, das wir ausführlich im S3 behandeln werden. Im Nachgespräch in der folgenden Doppelstunde im Religionskurs des PGW-Profils S1 nahmen wir einige der spannenden Themen (Gottesebenbildlichkeit, Khalifa, Verantwortung, Würde, Verlust der Würde, Androhung von Folter, Umkehr, Barmherzigkeit) wieder auf und konnten so auch noch einmal selbst ausführlich die Thematik diskutieren. Insgesamt lässt sich sagen, dass es ein sehr interessanter Abend war.